Ihr Lieben!
Zunächst soll ich euch ganz herzlich grüßen von unserer Pröpstin.
Frau Witte-Knoblauch wäre sehr gern selbst hier gewesen, um diesen Tag mit euch zu feiern. Aber heute wird ihre Mutter 90 Jahre alt und deshalb ist sie nicht hier in Süpplingenburg, sondern bei ihrer Familie in Hude.
Sie richtet euch aber aus: Sie begleitet euren Zusammenschluss mit guten Gedanken und wünscht euch, dass ihr euch vertrauensvoll auf den Weg macht. Es ist schön, dass die Kirche eine Gemeinschaft ist, die Stadt- und Dorfgrenzen übersteigt.
Auch ich möchte euch heute im Namen des Propsteivorstandes ganz herzlich gratulieren zur Fusion.
Wobei ich das Wort „Fusion“ eigentlich gar nicht so sehr mag. Denn das klingt so technisch. Kühl. Wirtschaftlich.
Und das sind nicht unbedingt die Attribute meiner Kirche: Technisch. Kühl. Wirtschaftlich.
Darum rede ich eigentlich lieber von einer Hochzeit. Wenn Menschen vor dem Traualtar eine neue Beziehung, eine neue Bindung eingehen, dann sage ich für gewöhnlich ja nicht: „Alles Gute zur Fusion!“ Sondern ich sage: „Gottes Segen für eure Gemeinschaft, euren gemeinsamen Weg – ich freue mich für euch!“
Und so möchte ich dieses Bild der Trauung heute mal aufgreifen und eine kleine Traurede halten, auch wenn – zugegeben – es nicht ganz passt, weil sich ja hier gleich 8 Gemeinden das Ja-Wort geben.
Aber nun denn, was Besseres fiel mir nicht ein, da müsst ihr nun durch.
Also:
Liebes Frellstedt-Wolsdorf,
liebe An der Scheppau,
liebes Bornum-Lauingen,
liebes Lelm—Warberg,
liebes Rottorf-Groß Steinum,
liebes Süpplingen-Süpplingenburg,
liebe Stadtkirche und liebe Stiftskirche,
kurz: liebes Brautpaar!
Lange habt ihr euch auf diesen Tag vorbereitet.
Anträge mussten geschrieben werden beim Landeskirchenamt und auch beim Land Niedersachsen.
Aber jetzt: Jetzt kann gefeiert werden!
Und wir können den Focus auf das richten, was wirklich zählt: Eure Beziehung.
Begonnen hat diese bereits 2014 mit der Gründung des Pfarrverbands. Und schon damals war dabei leitend der Gedanke von Teamwork.
Also: In dieser Zeit habt ihr euch bereits etwas näher kennenlernen und gegenseitig beschnuppern dürfen. Ihr habt euch nach und nach immer mehr aufeinander eingelassen.
Und das hat Spuren hinterlassen und euch hierhergeführt. Heute habt ihr die Gottesdienstzeiten aufeinander abgestimmt, werden eure Konfi-Kinder gemeinsam unterrichtet und ihr habt noch viel Schönes geplant wie zum Beispiel einen Tag der Kirchen am 31. Oktober.
Ihr habt aber nicht nur zusammen gefeiert, sondern ihr habt auch über Schweres reden können.
Ihr wisst alle, wie sich eine Vakanz, der Verlust einer lieben Pfarrperson anfühlt – und auch dieses Teilen des Verlustes hat euch zusammenrücken lassen. Ihr habt aber nicht nur gejammert, sondern ihr habt zugleich über eure Zukunft gesprochen – kurz: Ihr habt euch verlobt.
Denn: ihr habt in euren Gesprächen gemerkt: „So unterschiedlich wir auch sind, wir haben ein gemeinsames Fundament, das uns trägt!“
„Wir glauben jeder an Gott“, habt ihr gesagt.
Und ihr wollt, dass dieser Glaube an ganz verschiedenen Orten sichtbar wird. In der Stadt wie auf dem Dorf.
Und weil ihr diese gemeinsamen Werte habt und diesen gemeinsamen Glauben, darum habe ich euch als euren Trauspruch einen Vers ausgesucht, der das aufnimmt. Er steht im Buch Ruth und lautet: „Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott.“ (Ruth 1,16).
Mein Gott ist dein Gott. Meine Gemeindeglieder sind auch deine. Von nun an gehen wir gemeinsam. Das ist doch ein schönes Motto, finde ich.
Es drückt Solidarität aus. Ich wünsche euch, dass ihr euch als einen Leib mit vielen Gliedern versteht (1. Kor 12), wo der Kopf nicht zur Hand sagen kann: „Ich brauch dich nicht“. Sondern: Wo man sich für den anderen mitfreut und auch mitleidet. Weil man zusammen ein Körper ist.
Kurz: weil man sich liebt.
Ihr habt euch ineinander verliebt. Darum seid ihr heute hier.
Nun gut, ich gebe zu. Es war nicht immer so romantisch wie heute. Es haben euch andere auch ein bisschen zu diesem Schritt gedrängt.
„Denkt an eure Zukunft!“, haben sie gesagt.
„Jetzt wagt doch endlich diesen Schritt: Worauf wartet ihr noch!“
„Ihr kennt euch seit dem frühen Mittelalter und lobt Gott immer noch getrennt!“
Und ja, vielleicht kennt die eine oder der andere von euch auch so was wie kalte Füße.
Verliere ich nicht meine Freiheit als Single?
Und was ist mit meinem Ersparten?
Wird meine Liebster, wird mein Liebster jetzt mit meiner Kreditkarte auf Shopping-Tour gehen?
Ich glaube, solche Fragen sind normal. Aber Gott sei Dank wird trotzdem geheiratet.
Ja, es stimmt. Die Freiheit der Singles ist mit der Ehe in bestimmter Weise vorüber.
Aber Du bekommt auch etwas. Nämlich: Leben in einer festen Beziehung. Und das schätze bitte nicht gering. Gott hat den Menschen nicht als Einzelwesen geschaffen, isoliert und einsam, sondern er erschuf ihn in Gemeinschaft: Als Adam und Eva.
Und auch die Kirche hat er nicht als Einzeltürme geschaffen, sondern Kirche war immer größer und weiter als der eigene Kirchturm.
Klar, es wird ein bisschen Zeit brauchen, zu realisieren: „Ich bin kein Single mehr, sondern verheiratet.“ Manches wird dich vielleicht auch nerven. Du wirst fremden Marotten, Eigenarten und Traditionen begegnen – und nicht alles davon findest du super. Schon Martin Luther hat geseufzt: „Lieber Ratten im Keller als Verwandte im Haus.“ Also: Sicherlich wird es auch mal krachen. Aber Streit ist gesund. Immer wenn sich Brautpaare vor mir streiten, bin ich ganz beruhigt und denke: die Ehe wird halten.
Aber mit dem heutigen Tag versprecht ihr: Auch wenn wir manchmal streiten und voneinander genervt sind: Es geht von nun an nicht mehr um das „ob“, sondern nur noch um das „wie“.
Ihr versprecht euch heute: Wir sind jetzt eine Familie. Und ich würde mich freuen, wenn ihr euch in dieser Haltung begegnet: „Wir haben mit dem Tag heute keine Tochter verloren, sondern einen (Schwieger-)Sohn dazugewonnen!“ Oder 7 Kinder – je nachdem.
Ihr Lieben, zuguterletzt möchte ich euch von einem Pärchen erzählen, das im Traugespräch mir einmal erzählt hat: „Wir wollen nicht zusammenwachsen. Sondern: Wir wollen zusammen wachsen.“ Das find ich ein schönes Wortspiel. Also: Eine große Gemeinde heißt nicht: Jetzt kommt die große Gleichschaltung von der Einheitsgemeinde. Sondern: Es ist ein fester Rahmen geschaffen worden, damit jeder sich gut entwickeln kann.
Das geht nur mit Liebe und Vertrauen!
Und das ist das, was wir euch vom Propsteivorstand heute wirklich wünschen. Gegenseitiges Vertrauen.
Sucht bitte nicht das Haar in der Suppe, sondern sucht das Verbindende. Gönnt einander!
Was bringen euch die tollsten Gremien, die modernsten Beamer und die größten Visionen, wenn ihr euch im Alltag angiftet und euch gegenseitig wenig gönnt.
Darum, ihr Lieben: Bitte betet für das Gelingen dieser Gemeinde. Betet, dass der Herr seinen Segen auf diese neue Gemeinde legt.
Bring dich ein, engagiere dich – positiv!
Was wir nicht brauchen: Muffelköpfe und Meckerheinis, die nichts machen, aber alles besser wissen und die alten Zeiten, die nicht wiederkommen, glorifizieren.
Was wir brauchen: Menschen, die bereit sind, solidarisch zu sein und die bereit sind, sich auch über kirchliche Angebote zu freuen, die nicht im eigenen Heimatort stattfinden. Menschen also, die bereit sind, zur Kirche zu fahren wie zum Supermarkt oder zum Arzt, die ja auch längst nicht immer mehr vor Ort sind.
Und so frage ich Dich als Glied unserer Kirche:
Bist du bereit, dich von Geist Gottes leiten zu lassen – in guten, wie in schweren Zeiten?
Bist du bereit, offen zu sein für neue Wege?
Bist du bereit, am Sonntagmorgen Kilometer zu fahren, dann antworte:
Ja, mit Gottes Hilfe.
So sei es.
Wenn jemand der Anwesenden etwas dagegen einzuwenden hat, so möge er jetzt sprechen oder auf ewig – na ja: oder zumindest die nächsten drei Monate – schweigen XD.
Ihr Lieben, in diesem Sinne: Ich wünsche euch ganz viel Rückenwind und freue mich für euch!
Und ich habe euch etwas Wichtiges mitgebracht: Taschentücher: „Für die Freudentränen“. Also: Alles Gute. Seid behütet!
